Aktuelles Geschichte Seligsprechung Impulse Medien Links Arbeitshilfen Impressum
Array
Seligsprechung - Feier 2006
Paul Josef Nardini
Paul Josef Nardini

Mehr als 1500 Gläubige bei Vigilfeier im Dom

Nardini als Vorbild für Christen heute

Mit einer eindrucksvollen Vigilfeier im Speyerer Dom hat sich das Bistum Speyer am Samstagabend auf die Seligsprechung Paul Josef Nardinis am 22. Oktober eingestimmt. An dem Gottesdienst, der auf den alten kirchlichen Brauch der Gebetswache vor großen Festtagen zurückgeht, nahmen mehr als 1500 Gläubige teil, darunter auch der päpstliche Legat, der Münchener Kardinal Friedrich Wetter, sowie auffallend viele junge Christinnen und Christen. Beim Abschluss am Altpörtel - nach einer Prozession durch die Maximilianstraße - betonte der Speyerer Bischof Dr. Anton Schlembach, der neue Selige sei ein "lebendiger Beweis, dass die Seligpreisungen Jesu lebbar, wahr und notwendig sind".

In seiner Ansprache bezeichnete der Bischof die acht Seligpreisungen der Bergpredigt als "die Magna Charta des Christseins". Wenn Jesu die wahre Glücksseligkeit gerade den Armen, Trauernden oder Barmherzigen verheiße, widerspreche dies der Lebensphilosophie vieler Menschen. Doch angesichts der Gefahr der Selbstzerstörung erweise sich die Bergpredigt als "überlebenswichtig für die Menschheit von heute und morgen", so Bischof Schlembach. Er rief dazu auf, sich am Vorbild Nardinis zu orientieren. "Dann werden wir der Wahrheit der Jesusworte inne werden und so selig sein: `Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern hat das Licht des Lebens.'"

Die Seligpreisungen waren auch der Leitfaden durch die Feier im Dom. Während der Vigil wurden die biblischen Texte in Verbindung mit Erinnerungsstücken an Nardini gebracht. "Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihnen gehört das Himmelreich", lautete etwa eine Passage. Begleitet von leisen rhythmischen Trommel-Tönen und mit Tanzgebärden brachten Mallersdorfer Schwestern aus Südafrika einen Kelch ihres Ordensgründers - als Symbol für menschliches Leid - zum Altar. Rumänische Ordensfrauen berichteten von den harten Jahren unter kommunistischer Herrschaft. "1948 wurden wir aus unseren Ordenshäusern vertrieben, die Häuser wurden verstaatlicht. Im August 1949 wurden in Rumänien die Orden aufgelöst." Die Schwestern mussten ihr Ordenskleid ablegen und das Kloster verlassen. Jahrelang wurden sie vom berüchtigten Geheimdienst "Securitate" überwacht, bei der Wohnungs- und Arbeitssuche sahen sie sich großer Benachteiligung ausgesetzt. Doch es gab auch Ordensfrauen, die das Ende des Ceausescu-Regimes 1989 erleben durften: etwa Schwester Eszter, die nach einem entbehrungsreichen Lebensweg mit 86 Jahren wieder in die Schwesterngemeinschaft zurückkehren konnte.

"Hunger, Hunger, Hunger", immer wieder hallte dieser Ruf durch den Dom, als zwei Ordensfrauen aus dem niederbayerischen Mallersdorf gemeinsam mit Schülerinnen der dortigen Nardini-Realschule einen franziskanischen Gürtel und einen Rosenkranz in den Blickpunkt rückten. "Hunger und Durst nach Gerechtigkeit - es gab sie 1855 - es gibt sie immer noch, auch heute nach 150 Jahren. Sie haben nur ein anderes Gesicht als damals", sagte eine der beiden Schwestern. "Von der Liebe Christi gedrängt" sind die Ordensfrauen auch 2006 für verlassene, behinderte und gefährdete Kinder und Jugendliche an, kümmern sich um Kranke, Alte, Einsame und Obdachlose.

Schuhe aus der Zeit Nardinis brachten Kinder und Jugendliche aus Pirmasens zum Altar. Ihr Kommentar: "Der Blick auf die Schuhe und die vielen Kilometer, die Pfarrer Nardini gelaufen ist, kann uns den Anstoß geben, uns auf die Socken zu machen und dorthin zu gehen, wo Menschen uns brauchen. Denn, so sagt ein altes Gebet: Christus hat keine anderen Füße als unsere Füße, um zu Menschen zu gehen."

Weitere Nardini-Symbole waren ein Franziskus-Bild und ein leerer Geldbeutel, interpretiert vom franziskanischen Drittorden, ein Bild des Gekreuzigten, das Jugendliche und Mitarbeiterinnen des Nardinihauses Pirmasens zum Altar trugen, sowie eine Figurengruppe der Heiligen Familie, die eine Delegation des Kinderheimes St. Rafael in Altleiningen zum Anlass nahm, um über Möglichkeiten der Jugendhilfe heute zu informieren. Zum Innehalten, zur Kurskorrektur riefen Vertreter des "Runden Tischs Berufung" anhand von Nardinis Brevier auf. Mit einem Messbuch, dem Gürtel des priesterlichen Gewandes Nardinis und einer Kelchgarnitur verdeutlichten Priester aus der Diözese Speyer, warum der Pirmasenser Pfarrer ihnen ein Vorbild ist: "Das war Nardinis Traum: inmitten einer zerrissenen Welt, inmitten des Elends und der Armut eine heilige Familie zu gründen - eine Familie, in der alle Platz finden und den Frieden erfahren, den uns die Welt nicht schenken kann."

Begonnen hatte die Feier im dunklen Dom mit einer Lichtfeier, bei der der Raum allmählich von Kerzenlicht erfüllt wurde. Licht spielte auch beim Abschluss wieder eine große Rolle. Nach der Vigil im Dom zogen die Gläubigen durch Speyers Hauptstraße zum Altpörtel - wobei Pfadfinderinnen und Pfadfinder mit ihren Fackeln ein Spalier bildeten.


<<< zurück

Web Counter by www.webcounter.goweb.de