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Seligsprechung - Feier 2006
Paul Josef Nardini
Paul Josef Nardini

Bistumsarchiv: Detektivarbeit für die Seligsprechung

Bistumsarchiv Speyer erforscht Leben und Wirken Pfarrer Nardinis

Angenehme 18 Grad Celsius herrschen hier, sommers wie winters, hinter den Brandschutztüren im Bistumsarchiv Speyer. Ganz am Ende des schmalen Ganges, sorgsam in neun grauen Kartons mit rotem Band verschnürt und versiegelt, liegen Schriften und Dokumente zum Leben des Speyerer Diözesanpriesters Dr. Paul Josef Nardini, der am 22. Oktober in Speyer seliggesprochen wird. Daneben lagern die in jahrelanger Arbeit zusammengetragenen Dokumente zum Leben und Wirken Nardinis.

Professor Dr. Hans Ammerich, der Direktor des Diözesanarchivs, und seine Mitarbeiter haben mit dem Inhalt dieser Regalwände fast so etwas wie ihr persönliches Lebenswerk vor sich. Rund zehn Jahre haben sie an der Erforschung des Lebens und Wirkens von Nardini gearbeitet, immer wieder hat sie der Priester und Ordensgründer aus bescheidenen Verhältnissen in den 1990er Jahren neben vielen anderen Projekten beschäftigt.

"Unser erster Auftrag in diesem Zusammenhang hieß, den Pirmasenser Nardini-Gedenkraum mitzugestalten", erinnert sich Diplom-Archivar Klaus Karg. Das war 1987. Bei der Feier zum 125-jährigen Todestag des Priesters kam schließlich der Anstoß für ein Seligsprechungsverfahren. Es wurde 1990 eingeleitet und musste von der Diözese geschultert werden, in der der "Kandidat" gelebt und hauptsächlich gewirkt hat. Auf die Damen und Herren im Speyerer Diözesanarchiv kam bald eine akribische Detektivarbeit zu.

Bischof Dr. Anton Schlembach setzte zwei Kommissionen ein, die die notwendigen Vorarbeiten für die Seligsprechung erledigen sollten, eine theologische und eine historische. Während die Theologen Aussagen und Predigten Nardinis prüften, hatten die Historiker geschichtliche Fakten aus dem Leben des künftigen Seligen abzuklopfen. "Aus historischen Gesichtspunkten ging es vor allem darum, ein genaues Lebensbild von Nardini und eine kritische Biografie zu erstellen", so Ammerich.

Weil dieses Lebensbild so umfassend wie möglich sein sollte, genügte es nicht, die in Speyer vorhandenen Dokumente zu sichten und auszuwerten. "Alles, was es zu Nardini gibt, musste zusammengetragen werden." Also wurden viele weitere Archive angeschrieben oder besucht, die Liste ist lang: "Klosterarchiv Mallersdorf, Landesarchiv Speyer, Hauptstaatsarchiv München, viele andere Diözesan- und Staatsarchive", zählt Karg auf, und Archivleiter Ammerich ergänzt: "Ein Zweck des Verfahrens ist, auszuschließen, dass während oder nach der Seligsprechung Informationen auftauchen, die das bisherige Bild von Nardini verändern." Also wurden weitere Archive angeschrieben: "Es ging darum, eine schriftliche Bestätigung zu erhalten, dass nichts mehr über ihn vorhanden ist."

In vielen Archiven war jedoch genug zu finden: Briefwechsel, Anträge, Schulzeugnisse oder andere Aussagen über ihn füllen rund 1000 Seiten, die umfangreiche Biografie, die die Mallersdorfer Schwester M. Radegund Bauer verfasst hat, allein rund 350 Seiten. "Allerdings kann man sich das nicht wie eine wissenschaftliche Arbeit vorstellen, bei der es genügt, in Fußnoten die Quellen anzugeben", erläutert Ammerich. "Jede Quelle, jedes Dokument ist in Kopie beizufügen." Ein aufwändiges Verfahren, das auf eine mehrfache Absicherung angelegt ist. Denn alle historischen Dokumente mussten nochmals auf ihre Echtheit und Vollständigkeit geprüft werden.

Ein großes Stück Arbeit wartete auf die Speyerer Diözesanarchivare mit der sogenannten Transkription: Die handschriftlichen Dokumente, also etwa das Tagebuch Nardinis, die überlieferten Predigten oder seine Briefe mussten in die heutige Schrift übertragen werden, damit sie schneller nachzulesen sind. Eine wichtige Detail-Aufgabe, die die Archiv-Mitarbeiter Schwester Barbara Bäuerlein und Edelbert Memmel mit Akribie erledigt haben.

Neun Jahre nach Beginn der ersten Recherchen war die Detektivarbeit 1999 abgeschlossen. Nachdem alle Dokumente zusammengefasst und die Beteiligten ihre Vollständigkeit bekundet hatten, konnte ein Übersetzer ans Werk gehen. Ammerich: "Für das Verfahren in Rom muss alles ins Italienische übertragen werden." Und schließlich konnte nun auch eine neue Nardini-Biografie geschrieben werden.

Nachdem die Arbeiten zum Thema Nardini um den Jahrtausendwechsel abgeschlossen waren, kam etwas Ruhe in die Sache. "Inzwischen haben wir mit Anfragen über ihn ständig zu tun." Details aus Predigten, dem Tagebuch, aus seinem Nachlass oder anderen Akten sind aktuell zu klären und aufzubereiten, besonders jetzt in der "heißen Phase" der Vorbereitungen zur Seligsprechung. Eine Flut von Anfragen erhält das Diözesanarchiv auch zu Vorträgen über Nardini. "Zu dieser historischen Bildungsarbeit gehört aber auch das Erstellen von Schriften zum Thema." Zur Zeit arbeitet Professor Ammerich an einem Nardini-Heft in Rahmen der Reihe "Das Bistum Speyer und seine Geschichte". Das reich illustrierte historische Werk wird in Kürze erscheinen, noch rechtzeitig vor der Seligsprechung.

Kontakt: Bistumsarchiv Speyer, Kleine Pfaffengasse 16, 67346 Speyer, Telefon 06232-102-256; eMail: bistumsarchiv@bistum-speyer.de.


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