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Seligsprechung - Feier 2006
Paul Josef Nardini
Paul Josef Nardini

Bischofswort zur Seligsprechung

Der selige Paul Josef Nardini - Geschenk und Leitbild für unser Bistum Speyer


Liebe Katholiken im Bistum Speyer,
liebe Schwestern und Brüder!

Unmittelbar nach einer Papstwahl gibt ein Kardinal auf der Loggia des Petersdomes den Namen des Neugewählten bekannt. Er ruft der gespannt wartenden Menschenmenge auf dem Petersplatz zu: "Annuntio vobis gaudium magnum. Habemus papam: Ich verkünde euch eine große Freude. Wir haben einen Papst."

Heute rufe ich Ihnen und dem ganzen Bistum Speyer zu: "Ich verkünde euch eine große Freude. Wir haben einen Seligen! Dr. Paul Josef Nardini, der 1821 in Germersheim geboren wurde und 1862 als Pfarrer von Pirmasens starb, wird selig gesprochen, zur Ehre der Altäre erhoben."

1990 haben wir in unserer Diözese damit begonnen, das Leben und Wirken dieses Priesters, Sozialreformers und Ordensgründers auf das Genaueste zu erforschen, zu dokumentieren und zu untersuchen. Seit 1999 wurde der Seligsprechungsprozess in Rom weitergeführt. Nach allen vorgesehenen Prüfungen hat nun Papst Benedikt XVI. das Verfahren für positiv abgeschlossen erklärt.

Durch die Seligsprechung wird mit päpstlicher Autorität festgestellt: Paul Josef Nardini war im Leben und im Sterben ein vorbildlicher Christ. Er hat heiligmäßig gelebt und ist heiligmäßig gestorben. Die rasche und medizinisch nicht erklärbare Genesung einer Schwester seines Ordens von einer tödlichen Krankheit im Jahre 1953 wird als Heilungswunder anerkannt, das Gott auf die Fürsprache Nardinis hin gewirkt hat.

Nardini hat seine ewige Vollendung bei Gott in der Gemeinschaft der Heiligen gefunden. Er kann deshalb auch öffentlich verehrt und angerufen werden.

Die Feier der Seligsprechung Nardinis wird am Sonntag, den 22. Oktober 2006 um 14.30 Uhr in unserem Kaiser- und Mariendom in Speyer stattfinden.

Mit Bedacht wurde sie auf den Nachmittag gelegt. Auf diese Weise können auch die Priester, die am Vormittag in den Pfarreien gebunden sind, teilnehmen.

Unser Dom, der für das zweite christliche Jahrtausend steht, hat schon unendlich viel erlebt. Aber eine Seligsprechung in seinen Mauern ist erstmalig.

Erstmalig ist weiterhin, dass ein Sohn der Pfalz und ein Priester unseres Bistums Speyer kirchenamtlich zum Seligen erklärt wird. Erstmalig ist auch, dass eine Seligsprechung durch einen vom Papst persönlich beauftragten Kardinal nicht in der Peterskirche in Rom, sondern in Deutschland stattfindet.

Dieser vom Heiligen Vater zur Seligsprechung Nardinis bestellte Kardinal ist unser und des neuen Seligen Landsmann, Friedrich Kardinal Wetter. Wie Nardini war Kardinal Wetter Priester unseres Bistums. Fünfzehn Jahre leitete er als Bischof die Diözese Speyer, der auch Nardini diente. Als Erzbischof von München und Freising ist er jetzt auch Metropolit für das Bistum Regensburg, wo sich in Mallersdorf das Mutterhaus der von Nardini gegründeten Schwesterngemeinschaft befindet. Kardinal Wetter ist deshalb für die Feier der Seligsprechung Nardinis im Speyerer Dom, wo dieser gefirmt und zum Priester geweiht wurde, geradezu prädestiniert.

Die Seligsprechung Nardinis in Speyer wird ein Ereignis ganz eigener Art sein. Der Papstbesuch in Speyer am 4. Mai 1987 war gewiss ein Jahrtausendereignis. Aber der Papst kam und ging.

Das Weltjugendtagskreuz kam im letzten Jahr in unsere Diözese, machte an 90 Orten Station. Aber sein Weg führte dann weiter nach Köln.

Bei der Seligsprechung kommt Paul Josef Nardini als Seliger zu uns - und er bleibt! Für immer. Er wird uns und den kommenden Generationen von Gott durch die Kirche gleichsam zum Geschenk gemacht.

Als Freund Gottes will er unser Freund werden. Mit seinem vorbildlichen Leben, Wirken und Sterben will er uns inspirieren, den persönlichen Willen Gottes in unserem Leben zu erkennen und den Weg des Heils zu gehen. Im Himmel vollendet, will er durch seine Fürsprache bei Gott auch uns helfen, die himmlische Vollendung zu finden.

Als unser Bruder, der an das selige Ziel gelangt ist, will er eine Wirkungsgeschichte auslösen: bei uns persönlich, in unseren Pfarreien, in unserem Bistum. Er will den Grundvollzügen des christlichen Lebens, dem Glauben, der Hoffnung und der Liebe neuen Anstoß und neue Schubkraft geben. Dies kann aber nur geschehen, wenn wir uns intensiv auf die Seligsprechung Nardinis vorbereiten, wenn wir dankbar seine Seligsprechung feiern und wenn wir uns um ihre Nachhaltigkeit mühen.

Die Vorbereitung der Seligsprechung hat schon lange begonnen. Bereits 1995 habe ich mit einem Hirtenbrief auf die Bedeutung Nardinis hingewiesen. Beim diesjährigen Begegnungstag der emeritierten Priester, bei den Frühschichten der Jugend in der Fastenzeit, beim großen Wallfahrtstag in Maria Rosenberg in der Pfingstwoche, auf unserem Diözesankatholikentag in Johanniskreuz, bei der Priesterweihe, in der Aussendungsfeier der Gemeinde- und Pastoralreferenten, bei den Annaberg-Wallfahrten an den neun Dienstagen in der Sommerzeit, bei der Tagung des Klerusverbandes, bei Studientagen in Pirmasens und in Maria Rosenberg - immer war Nardini Thema.

Alle Priester, Diakone, hauptamtlichen Laienmitarbeiterinnen und Laienmit-arbeiter haben von mir einen persönlichen Brief zur Seligsprechung erhalten.

Umfangreiches Informationsmaterial zum Leben und zur Bedeutung Nardinis wurde bereits an jede Pfarrei gesandt und kann von dort nachbestellt werden. Bei den Firmungen bekommen die Neugefirmten ein Nardinibildchen. Unsere Bistumszeitung "der pilger" bringt seit längerer Zeit jede Woche eine ganzseitige Nardini-Information. Nardinilieder wurden getextet. Ein Nardinifilm wurde hergestellt. Sogar ein Nardini-Musical ist entstanden. Viele sind von der Nardini-Ausstellung in unserem Dom beeindruckt und waren es auf dem Deutschen Katholikentag in Saarbrücken.

Ab heute beginnt nun die letzte Vorbereitungsphase der Seligsprechung. Flächendeckend soll in unserem Bistum ein ausgeprägtes Nardini-Bewusstsein entstehen. Seine schwierige, geradezu aussichtslose Kindheit, seine Schulzeit in Germersheim und Speyer, sein Studium mit Promotion in München, seine priesterliche Tätigkeit in Frankenthal, im bischöflichen Konvikt in Speyer, in Geinsheim und vor allem in Pirmasens, die Gründung und Geschichte seines Schwesternordens sollten möglichst bald überall bekannt sein. Heute Nachmittag werden am Grab Nardinis in Pirmasens die zehn Dekane unserer Diözese je einen Erinnerungsgegenstand an Nardini, unter anderem sein Messbuch, seinen Kelch und sein Brevier, entgegennehmen. In den folgenden Wochen schließen sich zentrale Veranstaltungen in den Dekanaten an, in denen die Bedeutung dieser Symbole für das Leben Nardinis und für die Kirche von heute erschlossen wird. Aber auch die einzelnen Pfarreien, die Gremien, Gruppen und Schulklassen in unseren Gemeinden erhalten Arbeitshilfen, um sich mit der Gestalt Nardinis zu befassen. Sein Gedenkbildchen mit den Lebensdaten und Gebeten sollte in keinem Gotteslob fehlen. Unmittelbar vor der Seligsprechungsfeier wird in allen Gemeinden an neun Tagen eine tägliche Gebetszeit, eine Novene, gehalten.

Zur Seligsprechungsfeier selbst am 22. Oktober im Speyerer Dom sind alle Gläubigen unserer Diözese eingeladen. Jede Pfarrei sollte vertreten sein. Auch wenn nicht alle Teilnehmer im Dom Platz finden, können sie die Feier auf Großleinwänden im Domgarten miterleben und mitvollziehen. Im Anschluss daran wird, wie es die Tradition gebietet, auf dem Domplatz aus dem gefüllten Domnapf Wein kredenzt. Am darauffolgenden Sonntag, den 29. Oktober, wird dann in allen Pfarreien zum ersten Mal die heilige Messe zu Ehren des seligen Paul Josef Nardini gefeiert. Sein Bild wird an diesem Tag jede Kirche unseres Bistums schmücken. Sein jährlicher Gedenktag wird der 27. Januar, sein Todestag, sein Geburtstag für den Himmel, sein.

Die Seligsprechung Nardinis darf aber kein Ereignis werden, das danach der Vergangenheit angehört. Sie muss ein Anfang sein. Unser neuer Seliger muss für uns immer mehr ein spirituelles und pastorales Leitbild werden. Wir können ihn nicht kopieren und brauchen es auch nicht. Aber je mehr wir uns auf ihn einlassen, umso mehr wird er uns die Augen öffnen für die heutigen Herausforderungen des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens. Er zeigt uns die Notwendigkeit und Würde des Priesters. Von ihm, dem Pfarrer und Dekan, lernen wir, dass die Pfarrei der Ernstfall von Kirche ist, dass ihre wesentlichen Lebensvollzüge der Glaubensdienst, der Gottesdienst mit der Feier der Sakramente und der Heiligenverehrung sowie der Caritasdienst sind. Am Wirken Nardinis können wir ablesen, wie aus einer Pfarrei, in der es um Gläubigkeit und religiöse Praxis schlecht bestellt war, eine lebendige Gemeinde wird. Dies ereignet sich, wenn Predigt, Eucharistie und Bußsakrament im Mittelpunkt stehen. Wenn mit dem Priester auch die Laien das kirchliche Leben mittragen. Wenn Ordensfrauen sich in der Pfarrei und für die Pfarrei einsetzen. Wenn der Pfarrer mit dem Bischof und mit den anderen Priestern kooperativ zusammenarbeitet. Wenn auch das gesellschaftliche Leben im Licht des christlichen Glaubens gesehen und gestaltet wird. Wenn gute Beziehungen zu den nichtkatholischen Christen aufgebaut werden.

Vor allem aber ist der selige Nardini ein Augenöffner dafür, dass christliche Seelsorge auch Leibsorge, auch soziales Engagement bedeutet. Mit Recht nennt man ihn Sozialapostel. Gerade, weil ihm das seelische Heil seiner Gläubigen am Herzen lag, verzehrte er sich auch in der Sorge für die vernachlässigten Kinder, für die alleingelassenen Alten, Kranken und Sterbenden, für den Aufbau gesunder Familien. Diese Sorge führte ihn 1855 zur Gründung eines sozialapostolischen Frauenordens. Bis heute hatte er 8.000 Mitglieder. Er leistete und leistet Großartiges in Deutschland, in Rumänien, in Südafrika.

Seine Devise lautete: "Man muss die leiblichen Werke der Barmherzigkeit mit den geistigen Werken der Barmherzigkeit verbinden. Wir wollen vor allem denen helfen, die sich noch nicht und die sich nicht mehr helfen können." Welcher Anruf heute an uns! Die Notwendigkeit der Verlebendigung unserer Pfarreien, die mangelnde moralische, kulturelle, religiöse und kirchliche Sozialisation vieler Kinder, die Zerrüttung zahlreicher Ehen und Familien, die Isolierung und Vereinsamung vieler Mitmenschen, die Problemfelder Abtreibung und Euthanasie rufen nach dem Vorbild und nach der Fürbitte Nardinis bei Gott.

Liebe Schwestern und Brüder, wir wollen den seligen Paul Josef Nardini zu unserem Seligen machen! Er soll für alle Zukunft unsere altehrwürdige Diözese prägen und ihr geistliches Leben mitbestimmen. Wer an das Bistum Speyer denkt, soll nicht nur an den Dom, nicht nur an eine fast zweitausendjährige christliche Glaubensgeschichte, nicht nur an Pirminius und Edith Stein, sondern künftig auch an Paul Josef Nardini denken.

Zuerst und zuletzt aber wollen wir Gott danken. Sein Ruhm ist die Schar der Heiligen. Er hat unserer Diözese Nardini als exemplarischen Priester und Seelsorger, als Sozialreformer und Ordensgründer geschenkt. Er schenkt ihn uns jetzt als Seligen. Er hat Paul Josef Nardini gesegnet . Er segnet uns jetzt mit ihm. Ihm, dem dreieinigen Gott, sei Dank, Ehre und Lobpreis jetzt und in Ewigkeit. Sein Segen begleite Sie alle Zeit!

Speyer, 15. August 2006, Fest der Aufnahme Marias in den Himmel,
Patroziniumsfest unseres Domes.

In herzlicher Verbundenheit des Glaubens und des Gebetes

Ihr Bischof

+ Anton Schlembach


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