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Seligsprechung - Feier 2006
Paul Josef Nardini
Paul Josef Nardini

Paul Josef Nardini im Dom zu Speyer selig gesprochen

Kardinal Wetter: "Gott rüttelt uns durch den neuen Seligen wach"

Der Priester und Ordensgründer Paul Josef Nardini, der im 19. Jahrhundert als Pfarrer von Pirmasens gegen die soziale Not in der jungen Industriestadt kämpfte, ist am 22. Oktober als erster Pfälzer im Speyerer Dom selig gesprochen worden. Im Auftrag des Papstes verlas der Münchner Kardinal Friedrich Wetter in der Feier das Apostolische Schreiben, mit dem Benedikt XVI. verfügt, dass Nardini als Seliger verehrt werden darf und sein Fest jährlich am 27. Januar gefeiert wird. Anschließend wurde in der Apsis der Kathedrale ein großes Bild des Ordensgründers enthüllt, für den spontaner Applaus aufbrandete.

Den Gottesdienst feierten rund 2000 Gläubige im bis auf den letzten Platz gefüllten Dom mit; darüber hinaus verfolgten nach Polizeiangaben rund 6000 Menschen die Feier auf einer Großbildleinwand im Domgarten.

Zum Auftakt des rund zweistündigen Gottesdienstes erklärte der Speyerer Bischof Dr. Anton Schlembach (www.bistum-speyer.de...), der 1990 das Seligsprechungsverfahren in die Wege geleitet hatte, durch die Seligsprechung werde Nardini den Gläubigen zum Freund, Vorbild und Fürsprecher bei Gott gegeben. Nach seinem irdischen Leben und Wirken, nach der 150-jährigen Geschichte seines Schwesternordens beginne nun das dritte Kapitel seiner Wirkungsgeschichte.

Der eigentliche Ritus der Seligsprechung schloss entsprechend alter Tradition mit der Verehrung einer Reliquie des neuen Seligen. In einer Prozession brachten Diakone einen vom Würzbürger Künstler Michael Amberg gestalteten Reliquienschrein zum Altar. Anschließend rief Bischof Schlembach den neuen Seligen zum ersten Mal offiziell im Gebet um Fürsprache bei Gott an.

Neben Kardinal Wetter und Bischof Schlembach standen am Altar: Kardinal Karl Lehmann, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Dr. Gerhard Ludwig Müller, der Bischof der Diözese Regensburg, wo sich in Mallersdorf das Mutterhaus der Nardinischwestern befindet, sowie deren Superior, Prälat Dr. Wilhelm Gegenfurtner, Erzbischof György Jakubinyi aus Rumänien und Bischof Pater William Slattery aus Südafrika - in beiden Ländern wirken Mallersdorfer Schwestern. Zu den Zelebranten zählten zudem der Erzbischof der Speyerer Partnerstadt und Partnerdiözese Gnesen in Polen, Erzbischof Dr. Henryk Muszynski, sowie der Speyerer Weihbischof Otto Georgens.

Darüber hinaus nahmen weitere Bischöfe wie der Bischof der Speyerer Partnerstadt Chartres, Michel Pansard, der Passauer Bischof Wilhelm Schraml, der Trierer Bischof Dr. Reinhard Marx sowie der Freiburger Alterzbischof Dr. Oskar Saier an der Feier teil. Die Evangelische Kirche der Pfalz vertrat Kirchenpräsident Eberhard Cherdron. Prominenteste Namen auf der Teilnehmerliste aus dem weltlichen Bereich waren der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck sowie Staatsministerin Dr. Maria Böhmer, die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Integration und Flüchtlinge.

Wetter: "Bistum Speyer freut sich über seinen ersten Seligen"

Kardinal Wetter griff in seiner Predigt (www.bistum-speyer.de...) die Stimmungslage der mitfeiernden Gläubigen auf: "Das Bistum Speyer freut sich über seinen ersten Seligen. Besonders die Pfarrer freuen sich, dass einer von ihnen zur Ehre der Altäre erhoben wurde." Ebenso seien die Mallersdorfer Schwestern stolz, ihren Stifter nun als Seligen der Kirche verehren zu dürfen. "Wir alle spüren, dass Gott mit dem Geschenk des neuen Seligen an unsere Herzen klopft und uns zeigt, worauf es in unserem Leben ankommt", erklärte Wetter, der selbst gebürtiger Pfälzer ist und von 1968 bis 1982 Bischof von Speyer war.

Nardini sei als junger Pfarrer in Pirmasens auf großes soziales Elend gestoßen, erklärte der Kardinal. "Die materielle und seelische Not seiner Pfarrkinder ließ ihn nicht ruhen, er spürte: In den Armen klopft Jesus selbst an mein Herz." Bei seinem Tod mit 40 Jahren habe er eine blühende Pfarrei hinterlassen, viel Not sei bereits durch die von ihm ins Leben gerufene Schwesterngemeinschaft gelindert oder beseitigt gewesen. Die Kraft, um mit der Überlast der Arbeit fertig zu werden, habe Nardini aus der Gemeinschaft mit Jesus Christus geschöpft. Er habe anschaulich vorgelebt, was Papst Benedikt XVI. zum Abschluss seines Besuches in Bayern in seiner Ansprache an die Priester im Freisinger Dom "die Gesinnung Jesu Christi" nannte.

Kardinal Wetter betonte, wer die Gemeinschaft mit Jesus und die Nähe zu Gott suche, den dränge es auch, zu den Menschen zu gehen, ihnen das Evangelium zu verkünden und ihnen Gottes Liebe zu bringen. Er forderte die anwesenden Priester auf, den Seligen als ein Zeichen der Kraft und der Hoffnung zu sehen und sich wie dieser in die Gesinnung Jesu hineinzuversenken. An die über 600 anwesenden Mallersdorfer Schwestern im Speyerer Dom appellierte der Kardinal, mit dem Mut der ersten Schwestern die materielle wie geistliche Not der heutigen Zeit anzugehen. Ihr Ordensgründer habe die Gemeinschaft unter den Schutz der Heiligen Familie gestellt. Mit "mütterlichem Herzen" könnten die Schwestern durch ihren Dienst an den Amen, Kranken und Kindern zur Heilung der Familien beitragen.

Wetter erinnerte die Gläubigen an den eindringlichen Aufruf des Papstes bei seinem Besuch in München, Gott wieder als die Mitte des Lebens wahrzunehmen und die Schwerhörigkeit gegenüber Gott zu überwinden. "Gott rüttelt uns durch den neuen Seligen wach, dass wir hellhörig werden für Gott, von ihm her denken und leben", so Wetter wörtlich. Nardini habe mit brennendem Herzen Gottes Liebe weitergeschenkt. "Öffnen auch wir uns für Gott, dass auch unsere Herzen brennen und wir wie er Gottes heilende Güte weiterschenken", appellierte der Kardinal.

*Wein aus dem Domnapf *Gemäß altem Speyerer Brauch wurde im Anschluss an den Gottesdienst Wein aus dem Domnapf vor der Kathedrale ausgeschenkt: 1000 Liter Rebensaft aus Neustadt-Geinsheim, wo Nardini kurze Zeit als Seelsorger gewirkt hatte. Gefüllt wurde der edle Tropfen in Gläser mit dem Logo des neuen Seligen, die die Gläubigen gerne als Erinnerung an einen großen Tag mit nach Hause nahmen.


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