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Handwerklich begabte Senioren zeigen Schülern, wie ein Nistkasten gebaut wird.)
Handwerklich begabte Senioren zeigen Schülern, wie ein Nistkasten gebaut wird.

Nardini-Preis für das "Netzwerk Hilfe" in Lachen-Speyerdorf

Ökumenische Initiative geht neue Wege der Hilfe für Menschen in Not / Ehrenamtliche sind über Hilfetelefon erreichbar

Ein Mobiltelefon, ein Buch für Gesprächsprotokolle und eine Mappe mit Hilfeangeboten von Vereinen und Gruppierungen am Ort - das ist so ziemlich alles, was die Ehrenamtlichen des ökumenischen "Netzwerks Hilfe" in Lachen-Speyerdorf für ihre Arbeit brauchen. Jeden Dienstag und Mittwoch von 9 bis 11 Uhr sowie donnerstags von 16 bis 18 Uhr ist unter der Telefonnummer 06327 / 9769810 einer von etwa zwölf Ehrenamtlichen erreichbar, der sich um die Sorgen und Nöte der Anrufer aus Lachen-Speyerdorf kümmert.

Damit beschreitet die Gruppe einen ganz neuen Weg, um Menschen in Not zu helfen. Grund genug für den Caritasverband für die Diözese Speyer, die Verantwortlichen und ihre Idee einer Art Nachbarschaftshilfe mit dem Nardini-Preis auszuzeichnen, der in diesem Jahr zum ersten Mal verliehen wird. Als Termin für die Bekanntgabe hat der Caritasverband bewusst den 22. Oktober ausgewählt, den vierten Jahrestag der Seligsprechung Paul Josef Nardinis. Die Preisverleihung in Form einer Urkunde und eines Geldpreises in Höhe von 1000 Euro erfolgt beim Caritastag der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am 20. November in Lambrecht.

Es ist ein ganz besonderes Projekt: Dem Start ging ein etwa einjähriger Gesprächsprozess voraus, um festzustellen, wo es Lücken im sozialen Netz gibt. Dazu wurden im Jahr 2008 rund 30 Vertreter der ökumenischen Sozialstation, kirchlicher Einrichtungen, der Schule und Kindergärten, der Vereine im Ort, der Lebenshilfe sowie Ärzte zu mehrmaligen Treffen eingeladen. Ergebnis: Es gibt nicht wenige hilflose Menschen, die allein und ohne Beistand leben, sowie eine neue Armut. Am Ende stand die Überlegung, wie Hilfe besser vermittelt werden kann.

So wurde im Januar 2009 das "Netzwerk Hilfe" mit dem niedrigschwelligen Angebot des Telefon-Bereitschaftsdienstes aus der Taufe gehoben. "Manchem Anrufer genügt schon, dass einfach jemand zuhört", betont Stephan Oberlinger, evangelischer Pfarrer der protestantischen Kirchengemeinde Lachen-Speyerdorf, einem der vier Träger des Projektes. Neben seiner Pfarrei sind die katholische Pfarrgemeinde Heilig Kreuz, die Landeskirchliche Gemeinschaft und das Diakonissen-Mutterhaus Lachen für das Angebot verantwortlich, bei dem es um Rat und Hilfe, Information und Begleitung geht.

Man muss nicht mit jedem Problem allein fertig werden

"Wir möchten die Lücke schließen zwischen den Menschen hier am Ort und den Angeboten, die es gibt", bekräftigt Pfarrer Oberlinger. Zwar existierten genügend Beratungsstellen, aber sie würden häufig nicht genutzt, da die Schwelle für die Hilfesuchenden zu hoch sei. Als Beispiel führt Elisabeth Schläfke, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates von Heilig Kreuz und Mitglied des Telefondienstes, eine Anruferin an, die Probleme mit der Erziehung ihres Kindes schilderte. "Ich habe ihr dann nahe gelegt, eine Erziehungsberatungsstelle aufzusuchen." Elisabeth Schläfke setzte sich dann mit der Beratungsstelle in Verbindung und machte der Mutter Mut, dort anzurufen. "Wir nehmen die Menschen an die Hand und vernetzen, damit sie das Hilfeangebot nutzen." Es habe sich aber auch schon mal ein Arzt gemeldet, der auf einen vereinsamten Mann aufmerksam machte.

Weitere häufige Notlagen sind bürokratische Hürden, etwa weil Formulare nicht verstanden werden, oder Überforderungen bei der häuslichen Pflege. "Doch unsere direkte Hilfe ist begrenzt; sie dient lediglich der Überbrückung", stellt Helmut Fröhlich, evangelischer Pfarrer im Ruhestand klar, der gemeinsam mit Pfarrer Oberlinger und dem Seelsorger der Pfarreiengemeinschaft Geinsheim, Bernd Schneider, dem Leitungsteam des Netzwerkes angehört. "Wir unterstützen im Vorfeld, bis ein Betroffener einen Zugang zur Hilfe findet, und begleiten ihn bei Bedarf kurze Zeit danach." Denn alles andere sei auf Dauer nicht leistbar. Allerdings zieht das "Netzwerk Hilfe" aus den Problemlagen der Anrufer ganz automatisch Anregungen für Projekte und reagiert damit bedarfsorientiert.

Auf diese Weise entstand beispielsweise die Betreuungsgruppe für Senioren, die - bestehend aus etwa zehn geschulten Mitarbeitern - jeden Mittwoch im Schnitt zwölf pflegebedürftige Menschen im evangelischen Gemeindehaus des 5300 Einwohner zählenden Ortes von 14 bis 17 kostenlos betreut, um ihre pflegenden Angehörigen zu entlasten. Ein weiteres Projekt läuft unter der Überschrift "Freude haben - Freude schenken" und hat sich zum Ziel gesetzt, Generationen zusammenzuführen. Dazu werden "Omas und Opas" gesucht, die Kindern im Kindergarten oder in der Schule vorlesen, mit ihnen backen oder basteln. Rechtlich verankert ist das "Netzwerk Hilfe", das sich durch Spenden finanziert, im Krankenpflegeverein Lachen-Speyerdorf.

Der Nardini-Preis: Eine Auszeichnung für innovative Ideen

Der Caritasverband für die Diözese Speyer würdigt mit dem Nardini-Preis das Engagement ehrenamtlich tätiger Gruppen, die in ihrer Pfarrgemeinde oder in Zusammenarbeit mit kirchlich-caritativen Einrichtungen neue Wege gehen, um Menschen in Not zu helfen. Insgesamt zwölf Gruppen hatten sich um den Nardini-Preis beworben oder wurden dafür vorgeschlagen.

"Mit dem Preis wollen wir das Andenken an den Seligen Paul Josef Nardini stärken und ehrenamtlich tätige Gruppen ermutigen, sich in der Caritasarbeit der Diözese Speyer zu engagieren", erklärt Caritas-Vorsitzender Karl-Ludwig Hundemer. Paul Josef Nardini wirkte Mitte des 19. Jahrhunderts als Priester im westpfälzischen Pirmasens. Um der Armut und der Not in der jungen Industriestadt zu begegnen, gründete er 1855 die Schwesterngemeinschaft der "Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie" (Mallersdorfer Schwestern). Die Ordensfrauen nahmen sich der verwahrlosten Kinder an und kümmerten sich um alte und kranke Menschen. Paul Josef Nardini starb 1862 im Alter von nur 40 Jahren. "Das Lebenswerk und Glaubenszeugnis des Seligen Paul Josef Nardini ist auch für Christen von heute Vorbild und Ansporn", so Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer.

Kontakt:

Netzwerk Hilfe
Telefon 06327 / 9769810

Sprechzeiten:
Dienstag und Mittwoch 9 bis 11 Uhr
Donnerstag, 16 bis 18 Uhr


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